Richtschnur für die rechtsrichtige Berechnung des geschätzten Auftragswerts

Von der rechtsrichtigen Berechnung des geschätzten Auftragswerts (Kostenschätzung) hängt eine Vielzahl von Entscheidungen des Auftraggebers, die dieser im Zuge der Durchführung eines Vergabeverfahrens zu treffen hat, ab. Ich denke hier insbesondere an die Einordnung, ein Verfahren im Ober- oder Unterschwellenbereich durchzuführen, die Wahl der konkreten Verfahrensart oder aber auch die Entscheidung, ein Verfahren aufgrund Kostenüber- oder Unterschreitung zu widerrufen.

In der Praxis gestaltet sich die Berechnug des geschätzten Auftragswerts jedoch häufig schwierig. Das Bundesvergabeamt hat aber jüngst Anhaltspunkte dafür festgelegt, wie die Berechnung des geschätzten Auftragswerts rechtsrichtig erfolgen kann…

Folgende Vorkehrungen/Schritte sind aus Sicht des Bundesvergabeamts bei der Berechnung des geschätzten Auftragswerts zulässig und können eine „sorgfältige Auftragswertschätzung“ begründen:

  • Wird zu einem auftraggeberinternen Mitarbeiter ein externer Sachverständiger (beide im konkreten Fall mit abgeschlossenem Studium und jahrelanger einschlägiger Berufserfahren) beigezogen, sind diese beiden „aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer einschlägigen Berufserfahrung zweifellos dazu befähigt, die gegenständliche Kostenschätzung fachkundig vorzunehmen„.
  • Die Vorgangsweise, als Basis der Kostenschätzung die in der Vorperiode erzielten Angebotspreise (nicht die damaligen Schätzkosten) heranzuziehen, ist aus Sicht des Bundesvergabeamts „nicht zu beanstanden. Vielmehr ist es naheliegende, zur Orientierung in kostenmäßiger Hinsicht eine gleichartige, in jüngster Vergangenheit getätigte Beschaffung heranzuziehen […].
  • Das Bundesvergabeamt sah es als zulässig an, die in der Vorperiode erzielten Angebotspreise „zur Erfassung der allgemeinen Kostensteigerungen (Lohnerhöhungen etc.) um 5% [zu erhöhen] (Gleitung, Indexierung).“[Hervorhebung nicht im Original]
  • Aus Sicht des Bundesvergabeamtes ist es bei der Berechnung des geschätzten Auftragswerts auch zulässig, bei einem „wesentlich größeren“ Leistungsumfang einen Nachlass (im konkreten Fall von 10%) in Abzug zu bringen.
  • Der Vorgang der Berechnung des geschätzten Auftragswerts ist nachvollziehbar zu dokumentieren. Für das Bundesvergabeamt hat ausgereicht, dass „der Auftraggeber zur Ermittlung der Kostenschätzung pro Los die jeweiligen Positionen des Leistungsverzeichnisses „ausgepreist““ hat.

Zu beachten ist, dass das Bundesvergabeamt im konkreten Fall die Summe all dieser Maßnahmen als für eine „sorgfältige Auftragswertschätzung“ ausreichend beurteilt hat. Offen bleibt, ob auch einzelne dieser Maßnahmen ausgereicht hätten.

BVA 4.2.2013, N/0117-BVA/14/2012-34

Dieser Beitrag wurde unter BVwG abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>