Neue Studie enthüllt Kosten der Korruption im öffentlichen Auftragswesen in der EU

Die Europäische Kommission hat eine Studie in Auftrag gegeben, mit dem Ziel Korruption im öffentlichen Auftragswesen zu identifizieren und einzudämmen. Die nun vorliegende Studie bewertet dank einer neu entwickelten Methodologie erstmals die Kosten von Korruption, die die Vergabe öffentlicher Aufträge in der EU beeinflusst. Im Ergebnis führt durch Korruption verursachte Ineffektivität und  Ineffizient teils zu enormen finanziellen Verlusten für die öffentliche Hand. Doch auch Maßnahmen zur Prävention, Aufdeckung und Untersuchung von Korruption werden in dem Papier ausgearbeitet. Anbei eine Zusammenfassung der von PwC und Ecory mit Unterstützung der Universität Utrecht durchgeführten Studie:

  • Untersucht wurden fünf Wirtschaftssektoren: Straßen- und Eisenbahnverkehr; Wasser & Abfall; Städtischer / Bau von Versorgungsleistungen; Fort- und Weiterbildung; Forschung & Entwicklung / High-tech / Medizinische Produkte.
  • In 8 EU-Mitgliedsstaaten: Frankreich, Ungarn, Italien, Litauen, Niederlande, Polen, Rumänien und Spanien.
  • Korruption wird als Missbrauch von Macht zum privaten Vorteil definiert und anhand von vier Kategorien bewertet: Korruption, starke Anzeichen für Korruption, graue Fälle, saubere Fälle.
  • Vier Hauptarten von korrupten Praktiken: Submissionsabsprache, Bestechungsgeld, Interessenskonflikt, vorsätzliche Misswirtschaft / Unwissenheit ( –> die Studie hat darüber hinaus 27 Indikatoren oder „rote Flaggen“ für korrupte/graue Fälle identifiziert)
  • Der direkte öffentliche Verlust in korrupten und grauen Fällen (Fälle mit schwächeren Anzeichen von Korruption) belaufen sich auf 18% der gesamten Projektbudgets, von denen 13% auf Korruption zurückzuführen sind.
  • Direkte öffentliche Verluste in korrupten/grauen Fällen sind meist Ergebnis von Kostenüberschreitung, Verzögerung der Umsetzung und/oder Verlust der Wirksamkeit (einschließlich minderer Qualität und fraglicher Nützlichkeit).
  • Höchste direkte öffentliche Verluste in Fort- und Weiterbildungs-Projekten (44% der Haushaltsvolumen der betroffenen Projekte sind verloren), gefolgt von Städtischer / Bau von Versorgungsleistungen (29%), Straßen- und Eisenbahnverkehr (20%), Wasser & Abfall (16%) und Forschung & Entwicklung (5%).
  • Schätzung der Direktkosten der Korruption in den 5 Sektoren. Sie betrugen im Jahr 2010 in den 8 untersuchten Mitgliedsstaaten schätzungsweise zwischen 1,4 und 2,2 Mrd. €.
  • Empfehlungen für EU- und nationale Behörden:
    • Beschaffungsprozess: Transparenz von Daten und Dokumenten; Marktorientierung für ausreichende Menge an Angeboten; Investitionen in professionelle und zentrale Beschaffungsorganisationen.
    • Audits und (Selbst-) Auswertung: Einführung geeigneter Instrumente und Methoden zur Überwachung, Erkennung, Analyse und Reporting von Betrug und Korruption; Prüfung nicht nur des Verfahrens sondern auch der Vorbereitungen und der Substanz von Projekten.
    • Strafverfolgung: kompetente und unabhängige Ermittlungsbehörden mit Schwerpunkt auf Korruptionsbekämpfung im Vergabewesen; Informationsaustausch zwischen Mitgliedstaaten und EU Institutionen wie OLAF, Europol und Eurojust; Systeme für Whistleblower inkl. Informantenschutz.
    • Datensammlung: zentrale Sammlung von Daten und Statistiken über Korruption im öffentlichen Beschaffungswesen.
    • Politikforschung: Ausweitung der Studie; Erhebung indirekter Auswirkungen der Korruption; Messung von Kausalität und Wirksamkeit der Präventions- und Aufdeckungsmethoden.

Die Studie hat zwar nur ausgewählte Wirtschaftssektoren in ausgewählten Mitgliedstaaten untersucht. Auf Grund der dadurch gewonnenen Erkenntnisse können aber durchaus Rückschlüsse auf das Ausmaß von Korruption im gesamten öffentlichen Auftragswesen der EU gezogen werden. Dieses Ausmaß ist besorgniserregend. Die Studie schlüsselt korrupte Praktiken und deren negative Effekte anhand von konkret untersuchten Fallbeispielen auf. Der Appell ist klar: in der Korruptionsbekämpfung gibt es speziell im Vergabewesen noch sehr viel zu tun. Nur gut, dass die Studie auch gleich eine Vielzahl von Ideen  vorstellt, die in puncto Korruptionsprävention und –untersuchung einen wertvollen Beitrag leisten können.

Link zur Studie (Englisch)

Link zur Executive Summary der Studie (Deutsch)

 

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1 Antwort zu Neue Studie enthüllt Kosten der Korruption im öffentlichen Auftragswesen in der EU

  1. Stefan sagt:

    Die Korruption ist überall , auch bei der Polizei, Ämter etc…
    Nach Außen Sauber und Staatsbürger anzockel, und in den höheren Ebenen bei Vergaben die Taschen volllaufen lassen. Wo? Nicht weit Weg in Nö
    Schweinerei ist das!!!

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